22. Islam und Wissenschaft

Schon in der ersten Offenbarung, die Gott den Menschen durch den Propheten Muhammed gesandt hat, regt Er uns an, zu lesen und zu schreiben:

Lies im Namen deines Herrn, der erschuf. Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen. Lies; denn dein Herr ist gütig, der mit dem Schreibrohr lehrt, lehrt den Menschen, was er nicht wusste. (96:1-5)
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22.1. Islamische Kunst

Im Koran heißt es:

Wir haben den untersten Himmel wahrlich mit Leuchten geschmückt. (67:5)
Gott ist schön und liebt die Schönheit. (Sammlung Muslim)

Der Islam betont stets die Wichtigkeit, ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist zu schaffen und zu bewahren. Er lehrt Mäßigung und Bescheidenheit in allen Dingen, fördert die natürlichen Begabungen und bemüht sich, den Menschen zu einem harmonischen Ganzen zu erziehen. Dabei spielt die Kunst eine große Rolle, denn die Liebe zu den schönen Künsten ist dem Menschen angeboren.

Auch im Bereich der Kunst haben Muslime große Leistungen erbracht. Eine traditionelle Kunstform ist z.B. die Kalligraphie. Diese Disziplin entstand durch die Notwendigkeit, den Koran abzuschreiben und so zu vervielfältigen. Schrift wurde so zu einem Kunstwerk.

Der Koran ermuntert den Menschen zum Bau von Moscheen (24:36). Die Süleymaniye-Moschee und die Blaue Moschee in Istanbul, das Grabmal Tadsch Mahal in Agra (Indien), der Palast der Alhambra in Granada, der Felsendom in Jerusalem und andere Baudenkmäler beweisen, welch großartigen Beitrag die Muslime zur Architektur geleistet haben.

Schon in der vorislamischen Zeit war die Dichtkunst unter den Arabern weit verbreitet. Der Islam hat dieser Kunst eine ganz neue Dimension verliehen.


23. Der Islam, die Religion der Weisheit

Der Islam ist eine Religion der Weisheit, wenn wir unter Weisheit den „geheimen Sinn“ und „die Kenntnisse über die Ziele und Existenzgründe der Natur und des Universums sowie die göttlichen Geheimnisse und Absichten, auf denen die Existenz und die Schöpfung der Natur und des Universums beruhen“ verstehen.

Weisheit bedeutet, auf geistliche und wissenschaftliche Weise die Wahrheit zu erlangen. Weisheit auf Gott bezogen heißt, dass Gott die Geschöpfe erkennen lässt und sie in bester Form schafft. Auf den Menschen bezogen bedeutet Weisheit, dass der Mensch die Geschöpfe kennt und gute Werke tut. Weisheit steht außerdem für Wissen und Handeln und dafür, dass Wort und Tat übereinstimmen. Wenn der Islam von „Weisheit“ redet, dann meint er also Wissen um den rechten Weg (zum Beispiel dass Alkohol schadet), das richtige Handeln (nicht zu trinken) und Führung anderer (Alkoholgenuss nicht zuzulassen). Weisheit verlangt, dass alle drei Punkte in ausgewogenem Verhältnis zueinander stehen. Wenn Wissen brach liegt, ist es nutzlos. Wer unwissend und ohne Kenntnis der Folgen seines Tuns zur Tat schreitet, bringt sich und andere in Gefahr. Wer nicht im Einklang mit seinem Wissen handelt, ist – mag er auch noch so gebildet und intelligent sein – für die Erziehung im Sinne der „Menschenführung“ ungeeignet.
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24. Islam und Umwelt

Die Umweltfrage wird im Islam in ganzheitlicher Harmonie behandelt. Die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt genießen im Islam einen besonderen Stellenwert.

Im Vergleich zu anderen Religionen betont der Islam neben der reinen Anbetung Gottes soziale Komponenten stärker und beschränkt sich in der Beziehung zwischen Gott und Mensch nicht nur auf den Gebetsraum. Der soziale Charakter der Religion kommt auch in den fünf Säulen des Islam zum Ausdruck, besonders in den Bereichen Armensteuer und Pilgerfahrt. Im Islam können alle Handlungen und Verhaltensweisen des Menschen als eine Form von Anbetung betrachtet werden. Folglich wird die Verantwortung des Menschen gegenüber seiner engeren und weiteren Umwelt im Islam besonders eingehend behandelt. Der Prophet Muhammed wurde dieser Verantwortung in seinen Aussprüchen und in seinem Handeln gerecht. Der Schutz der Umwelt und die Verhinderung ihrer Verschmutzung stehen gemeinsam mit den Gesundheitsfragen im Islam an erster Stelle.
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Warum ausgerechnet Islam?

Warum ausgerechnet Islam?

Kalligraphie „Bismillahir-rahmanir-rahirn“ (Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen)
Warum ausgerechnet Islam?
CORDOBA-VERLAG KARLSRUHE

ISBN 3-930767-07-4
1. Auflage Oktober 1999 (3.000)
© Cordoba Verlag, Oktober 1999
Satz: Deutschsprachiger Muslimkreis Karlsruhe
Übersetzung: Dr. Jürgen Wohl
Titel d. engl. Ausgabe: The Religion of Truth
Umschlaggestaltung: Selma Sarikan
Druck: Druckerei Dogan, Nürnberg
Printed in Germany

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Gnadigen
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Einleitung

Die Religion der Wahrheit

Die Bedeutung von Din und Islam

Warum wir eine feste Lebensweise brauchen

Warum eine geographische Einteilung sinnlos ist

Leben und Zeit sind unteilbar

Welche Lebensweise braucht der Mensch?

Der Mensch und seine Suche nach dem rechten Weg

Die Eigenschaften von “ad-Din”

Wo versagt der Mensch?

Wünsche und Neigungen

Die Vernunft

Wissenschaft

Geschichte

Die Rettung

Die göttliche Leitung – ihre Merkmale und der Bew

Bedingungen und Forderungen des Glaubens


Bedingungen und Forderungen des Glaubens

Wir sollten uns nun mit der letzten der grundsätzlichen Fragen auseinandersetzen, die wir in dieser Untersuchung diskutiert haben. Wenn man den Anspruch des Koran akzeptiert hat und vollkommen zufrieden an ad-Din glaubt, der vom Allmächtigen stammt, dann stellt sich ganz natürlich die Frage: Was folgt daraus und was wird von uns verlangt?
Ich habe zu Anfang erklärt, daß das Wort Islam die Bedeutung „völlige Hingabe“ und „Gehorsam“ miteinschließt. Es hat nicht das Geringste zu tun mit Vorstellungen wie Überheblichkeit, unbegrenzter Macht und unbestreitbarer Autorität oder einer lässigen Haltung in Bezug auf Gedanken und Bedürfnisse. Egal was für eine Lebensweise Sie für sich selbst wählen, sie verlangt vollständige Hingabe und Gehorsam; Sie können keinen Aspekt Ihres Lebens und Ihrer Persönlichkeit davon trennen. Der Glaube an jedes System verlangt seine Anwendung in jedem Moment unseres Daseins. Unser Verstand, unser Herz, unsere Ohren, Zungen, Hände und Füße – ja alle unsere Organe müssen dem Glauben, den wir praktizieren, entsprechen und ihn widerspiegeln. All unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten, alles, was in unserer – körperlichen wie geistigen – Macht steht, muß in Gang gesetzt werden, um dem einen höheren Zweck zu dienen, den wir im Blick haben. Unser Glaube muß sich in der Tat in unseren Haltungen und unserem Verhalten spiegeln, in unseren Vorlieben und Abneigungen, unserer Liebe und Abneigung Dingen wie Menschen gegenüber, er muß unserer gesellschaftlichen Beziehungen zu anderen Menschen bestimmen, unsere Freundschaften und Gegnerschaften. Kurz, er muß über alles entscheiden, was wir denken oder tun. Auch nicht das kleinste Detail unseres Lebens darf außerhalb seines Einflusses bleiben. Und der Grad, in dem wir in dieser Hinsicht Ausnahmen und Sonderfälle zulassen, entspricht dem Grad, in dem wir von der Ausübung unseres Glaubens abweichen und uns über unsere Angehörigkeit zu ihm Lügen strafen. Und ist es nicht die Pflicht jedes Menschen, sein Leben vom Schandfleck der Falschheit und Lüge frei zu halten?
Ich möchte auf meinen anfänglichen Hinweis zurückkommen, daß das menschliche Leben eine Einheit ist, ein vielfältiges Ganzes, das sich nicht in getrennte Abteilungen zerlegen läßt. Es ist daher nur natürlich, daß es für uns nur ein einziges System für das ganze Leben geben sollte. Hängt man gleichzeitig zwei oder drei Lebensweisen (Din) an, zeugt das von Schwäche im Glauben und unbeständigem Urteilsvermögen. Die vernünftigste Haltung
in dieser Hinsicht wäre es wirklich, nur an einer Sache festzuhalten, anstatt hin und her zu schwanken und unentschlossen zu sein. Es ist ganz natürlich, daß eine bestimmte Lebensweise, hat man sie einmal angenommen, sich auf alle Aspekte unseres Denkens erstreckt. Wenn es ein Din für unser individuelles Leben ist, sollte es auch ein Din für unsere gesellschaftlichen Beziehungen, unsere Hausund Haushaltsführung, die Erziehung und Ausbildung unserer Kinder sein. Es sollte der Din unserer Schulen, unserer Geschäfte, unseres beruflichen Strebens sein, unseres Verhaltens als Angehöriger einer Nation, unserer kultureller Tätigkeit, unserer soziopolitischen Angelegenheiten, unserer Kunst und Literatur und unseres Staates. Wenn wir als Individuen einen bestimmten Din praktizieren, wäre es dann nicht angemessen, uns als sozialen Organismus zu organisieren, so daß alle Aspekte unseres gemeinschaftlichen Lebens demselben Din folgten?
Und wenn wir schließlich eine bestimmte Lebensweise als für unser Leben verbindlich eingeschlagen haben, folgt daraus ganz natürlich, daß wir danach streben sollten, die Segnungen dieses Weges unsern Mitmenschen zu zeigen und uns zu bemühen, ihn zum ad-Din für die gesamte Menschheit zu machen. Da die Wahrheit schon ihrer Natur nach verlangt, überall erhört zu werden, muß selbstverständlich jeder, der ihr anhängt und sie verteidigt, seine ganze Energie aufwenden, um die Kräfte des bedenklich Negativen zu überwinden und dafür sorgen, daß sich Wahrheit und Gerechtigkeit in dieser Welt durchsetzen. Denn gewiß kann niemand, der sich wirklich der Wahrheit bewußt wird, ruhen, bis er nicht alles getan hat, um ihr auf seine Umgebung Geltung zu verschaffen. Und wenn jemand keine Unruhe spürt, keinen Schmerz und den zwingenden Drang, die Ungerechtigkeit zu beseitigen und der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen, bedeutet das, daß seine Seele tot ist.


Die göttliche Leitung – ihre Merkmale und der Bew

Bevor ich fortfahre, halte ich es für notwendig, eine Frage zu untersuchen und zu analysieren, die an diesem Punkt der Diskussion zwingend bei jedem auftaucht, und die sich im Verlauf der Untersuchung auch mir stellte. Das Problem ist: Sollen wir dem Wort eines jeden vertrauen, der uns ein System mit der Behauptung präsentiert, es stamme von Gott? Und wenn nicht, anhand welcher Regel sollen wir zwischen einem System aus menschlicher Fabrikation und einem göttlichen Ursprungs unterscheiden?
Diese Frage verlangt detailliertes Studium und Analyse, doch ich werde hier nur vier in die Augen springende Kennzeichen nennen, die das göttliche Denken vom menschlichen unterscheiden.
Der erste auffällige Wesenszug menschlichen Denkens ist, daß es feste Grenzen hat und ohne wahres Wissen ist. Das göttliche Wissen hingegen ist offensichtlich die Verkörperung des wahren Wissens, dessen Horizont unbegrenzt ist. In dem, was von Gott kommt, wird man niemals, zu keiner Zeit, irgendetwas entdecken, was einer wissenschaftlich bewiesenen Tatsache widerspricht oder gegen das sich mit Recht einwenden ließe, ein bestimmter
aspekt der Wirklichkeit sei der Voraussicht seines Urhebers entgangen.
Legen wir aber diesen Wertungsmaßstab an, dürfen wir nicht den gewaltigen Unterschied übersehen, der zwischen einer Tatsache, einer Hypothese und einer bloßen Theorie besteht. Die wissenschaftlichen Hypothesen und Theorien, die die Phantasie eines Zeitalters gefangennehmen, werden oft irrtumlich als gültige Gesetze und Tatsachen angesehen, obwohl es ebensogut möglich ist, daß sie falsch sind. In der Geschichte der Wissenschaft können wir nur sehr wenige Hypothesen und Theorien hervorheben, die sich in der Tat als wissenschaftliche Gesetze und Tatsachen, als wahres Wissen erwiesen.
Die zweite große Schwäche menschlichen Denkens ist sein begrenzter Horizont. Das göttliche Denken hingegen enthält den Beweis eines unvergleichlich weiteren Gesichtskreises. Das vom Göttlichen herrührende Denken bezeugt die ewige, allumfassende Sicht seines Urhebers, der offensichtlich die ganze Wirklichkeit und das gesamte Universum in sein Wissen einschließt. Im Vergleich dazu erscheinen die Reflexionen selbst der größten Philosophen und Denker kindisch.
Das dritte Merkmal menschlicher Denkweise ist, daß ihre Urteilsfähigkeit manchmal in dieser oder jener Weise von ihren eigenen Gefühlen, Wün schen und Begehren getrübt und überschattet wird. Im göttlichen Denken dagegen tritt reine Wahrheit und unparteiische Vernunft so unzweifelhaft hervor, daß man den Gesetzen, die dort ihren Ausgang nehmen, eventuelle gefühlsmäßige Neigungen wahrscheinlich ansehen würde.
Eine weitere Schwäche menschlicher Vernunft sind die sehr auffälligen Elemente von Parteilichkeit und Voreingenommenheit, irrationaler Diskriminierung mancher Menschen und die darauf gegründete ungerechtfertigte Bevorzugung einer Gruppe oder Schicht gegenüber einer anderen. Denn jedes Individuum hat eigene persönliche Interessen mit manchen seiner Mitmenschen gemeinsam, mit anderen dagegen nicht. Im klaren Unterschied dazu ist die Lebensweise, die von einer göttlichen Quelle herrührt, frei von solchen Schattenseiten.
So kommen wir also zu einem Prüfverfahren, mit dem wir sehr leicht die Ansprüche verschiedener Lehren daraufhin testen können, ob sie von Menschen gemacht wurden oder von Gott. Ist eine Lehre frei von all diesen Schwächen, und trägt sie zugleich den Stempel der Allgemeingültigkeit, umfassender Anwendbarkeit und Vollständigkeit, wie ich auf den vorhergehenden Seiten im Zusammenhang mit der absoluten Notwendigkeit von ad-Din ausgeführt habe, so gibt es keinen Grund, noch zu zögern, sie sich zu eigen zu machen.


Die Rettung

10Nov07

Die Rettung

Ich hoffe, ich habe mich in den kurzen Beobachtungen, die ich angestellt habe, keiner logischen Widersprüche schuldig gemacht. Ich glaube auch nicht, daß die Sachlichkeit meiner Darlegungen in Frage gestellt werden kann. Wenn die Analyse der den Menschen zur Verfügung stehenden Mittel, die ich soeben versucht habe darzustellen, richtig ist, können wir der Schlußfolgerung nicht entgehen, daß der Mensch selbst bestenfalls ein unreifes und mangelhaftes System erarbeiten kann, das lediglich einer bestimmten Region für eine sehr begrenzte Dauer nützen kann. Aber wenn er danach strebt, ad-Din zu finden, so liegt diese Aufgabe voll und ganz jenseits seiner Mittel und Fähigkeiten. So war es in der Vergangenheit, so ist es heute, und auch für die Zukunft kann niemand auf irgendeine Veränderung hoffen. Wenn nun kein Gott existiert, um uns recht zu leiten, wie die Atheisten gerne annehmen, dann ist die Menschheit ganz und gar verloren. Dann ist es sinnlos, weiterzumachen, und es wäre besser, Selbstmord zu begehen. Die Situation wäre wie die eines einsamen Wanderers, der den Weg nicht kennt, und für den es keine Führung gibt, nicht die geringste Möglichkeit, zu erfahren, wo sein Ziel liegt und welchen Weg er einschlagen muß. Er ist zu Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit verdammt.
Wenn andererseits zwar ein Gott existiert, uns jedoch keinerlei Leitung zukommen läßt, wie einige Atheisten gern behaupten, stehen die Dinge nur um so schlechter. Wir sollten uns wirklich Gedanken machen über die Phänomene der Schöpfung um uns herum. Sehen wir denn nicht, daß der Schöpfer für alle erdenklichen Bedürfnisse und Notwendigkeiten vorgesorgt hat, die für die Erhaltung, das Wachstum und die Entwicklung all dessen, was Er auf der Erde schuf, vonnöten sind? Wie ist es dann denkbar, daß Er in seiner ganzen Schöpfung ausgerechnet für den wichtigsten Punkt im Leben des Menschen keine Vorsorge getroffen hätte? Wie hätte er nicht erkennen können, daß das Leben des gesamten Menschengeschlechts sinnlos wäre und in die Irre führen würde, wenn es keine Rechtleitung gäbe? Fehlt so ein Licht, wird das Leben zur Last, zu einem Elend von unbeschreiblichem Ausmaß. Warum soll man noch das Unglück der Bedürftigen beklagen, derer, die in Armut leben, der Verletzten und Unheilbaren, der Unterdrückten und Getretenen – besser wäre es, gleich das Los der gesamten Menschheit zu bedauern, die verlassen und hilflos ist, die immer wieder nutzlose Versuche zusammenpfuscht, die fehlgeht, fällt, und sich nur wieder aufrafft, um erneut zu fallen. Trotz aller Versuche, ein ausbalanciertes System zu finden, stürzen sich ganze Länder und Nationen ins Unglück. Die Ärmsten kennen nicht einmal Zweck und Sinn des Lebens; weder das Ziel, das sie anstreben müssen, noch auch das Ende der ganzen Suche. Obwohl der Eine, der uns schuf, doch gewiß all unsere Schwächen und Grenzen kennt, wird die Ansicht vertreten, Er sei nur ein schweigender Zuschauer, der nur erschafft, aber sich nicht bemüht, seine Geschöpfe zu leiten und zu erleuchten.
Im Gegensatz zu dieser Behauptung zeigt uns der Koran eine völlig andere Sicht der Dinge. Nach seiner Lehre ist Gott nicht nur der Schöpfer, sondern auch derjenige, der uns recht leitet. Allem, was Er schuf, gab Er das Licht und die Leitung, die den jeweiligen Ansprüchen und Bedürfnissen am gemäßesten und angemessensten sind. Der Koran sagt:
Er sagte:“ Unser Herr ist Der, Der jedem Ding seine Schöpfungsart gab, alsdann es zu seiner Bestimmung führte. „(Koran, 20:50)
Wenn Sie das nachprüfen wollen, brauchen Sie nur irgendeine Ameise, Spinne oder Fliege zu beobachten. Auch uns Menschen bietet Er seine Führung an. Die richtige Lebensweise für den Menschen liegt deshalb darin, seine eigene Arroganz aufzugeben und sich Ihm hinzugeben und zu unterwerfen, um gemäß dem vollständigen und allumfassenden Lebensweg zu leben – ad-Din, den Er in seiner unendlichen Gnade den Menschen durch seine Gesandten verkündet hat.
Wir sollten nun in der Lage sein, die Situation, in der wir uns befinden, richtig einzuschätzen. Wir haben bereits die Kräfte und Fähigkeiten des Menschen sondiert, und eine nüchterne Untersuchung aller seiner Eigenschaften und Begabungen führt uns zu dem Schluß, daß sie völlig unzureichend sind, ad-Din für die Menschheit bereitzustellen. Wir haben auch den Anspruch des Koran in dieser Hinsicht kennengelernt. Und es scheint, daß es nun keine andere Möglichkeit gibt, als die Behauptung des Koran zu akzeptieren, wenn wir uns nicht dazu entschließen, im Dunkeln zu tappen und äußerster Enttäuschung und Verzweiflung zum Opfer zu fallen. Nun ist es aber keinesfalls so, daß es mehrere Wege gäbe, ad-Din zu erreichen, so daß wir uns nach Belieben irgendeinen aussuchen könnten. Die Wahrheit ist vielmehr: Es existiert nur eine Quelle, aus der wir ad-Din erhalten können, und die Frage nach einer Wahl ist gleichbedeutend mit der Wahl zwischen der Rechtleitung durch diese eine Quelle oder dem Durcheinander der Finsternis. Die vorangegangene Untersuchung führt uns zu dem Schluß, daß es zu unserem eigenen Besten ist, wenn wir den Anspruch des Koran akzeptieren. In der Tat gibt es überhaupt keine Alternative: Wenn wir an unserem Wohlergehen interessiert sind, müssen wir uns ergeben und so handeln, wie es der Koran von uns fordert. Einen anderen Weg gibt es einfach nicht. Und doch ist die Haltung des Koran in dieser Hinsicht sehr großzügig. Er verlangt nicht einfach
blinden Gehorsam (obwohl er es könnte, da er ohne Alternativen ist), sondern versucht, unseren Verstand zu überzeugen und uns durch rationale Argumentation dahin zu bringen, die Weisheit, die in ihm heat, zu erkennen. Das Buch Gottes will nicht, daß wir seine Forderungen anerkennen, ohne unsere Vernunft daran zu wenden. Vielmehr ist sein Vorsehen äußerst rational; er appelliert an unsere Fähigkeiten, zu denken und vernünftig zu urteilen. Nach dem Willen des Koran soll der in ihm dargelegte Standpunkt aufgrund der ihm eigenen Vorzüge freiwillig und freudig angenommen werden. Die vier wichtigsten und schwerwiegendsten der vielen Argumente, die der Koran anführt, sind:
1. Der Islam ist die einzige wahre Lebensweise für den Menschen, denn er allein entspricht dem Wesen der Realität. Jede andere Haltung ist falsch.
„Also nach etwas anderem als der Religion Allahs streben sie? Und Ihm hat sich friedenmachend ergeben, wer in den Himmeln und auf der Erde ist, gehorsam oder widerwillig und zu Ihm werden sie zurückgebracht.“ (Koran, 3:83)
2. Dies ist die einzige wahre Lebensweise, weil nur
4 Die Übersetzungen des Korans sind meist entnommen aus Der Koran, die Heilige Schrift des Islam in deutscher Übertragung, A. v Denffer, München 1997
sie allein richtig ist und daher kein anderer Weg wirklich korrekt genannt werden kann.
,Euer Herr ist ja Allah, der die Himmel und die Erde geschaffen hat, in sechs Tagen, dann hat er den Thron eingenommen, Er läßt die Nacht die Tageszeit einhüllen, sie sucht sie hurtig, und die Sonne und den Mond und die Sterne, Seinem Auftrag untergeben. Ist nicht Sein die Schöpfung und der Auftrag? Segensreich ist Allah, der Herr der Welten.“ (Koran, 7:54)
3. Nur diese Geisteshaltung ist richtig für den Menschen, denn nur Gott besitzt wahre Kenntnis der gesamten Wirklichkeit und Er allein kann uns unfehlbar rechtleiten.
„Siehe Allah – nichts ist Ihm verborgen auf Erden und nichts im Himmel.“ (Koran, 3:5)
,Er weiß, was vor ihnen ist und was hinter ihnen, und nicht erfassen sie etwas von Seinem Wissen, außer was Er will.“ (Koran, 2:255)
„Sprich: ‚Die Rechtleitung Allahs, sie ist die Rechtleitung!„‚ (Koran, 2:120)
4. Dies allein ist der richtige Weg für den Menschen, weil ohne ihn keine Gerechtigkeit möglich ist. Welchen anderen Kurs der Mensch auch immer einschlägt, er wird unweigerlich in Ungerechtigkeit nach sich ziehen.
und wer die Grenzen Allahs überschreitet, so hat er sich schon selbst Unrecht angetan. „
(Koran, 65:1)
Und wer nicht richtet nach dem, was Allah ‚hinabgesandt hat – das sind Glaubensverweigerer.“ (Koran, 5:44)


Geschichte

10Nov07

Geschichte

Werfen wir nun einen Blick auf die angehäuften menschlichen Erfahrungen, die wir geschichtliche Dokumente nennen. Ihre Wichtigkeit, ihre Bedeutung und ihr Nutzen stehen außer Frage. Doch wenn wir ein bißchen darüber nachdenken, wird klar, daß der Mensch mit ihrer Hilfe kein Lebenssystem gewinnen kann. Ich werde nicht danach forschen, ob die aus der Vergangenheit überlieferten Dokumente vollständig und verläßlich sind. Auch sollte ich, glaube ich, nicht fragen, wessen Gehirn damit beauftragt werden soll, ad-Din im Interesse der gesamten Menschheit auszuarbeiten. Hegels oder Marxens oder Ernst Haeckels oder das eines anderen? Ich möchte wirklich gerne wissen, welcher besondere Abschnitt unserer Geschichte – in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft -als geeignet angesehen werden kann, Leitfaden und Licht für diese Aufgabe zu sein. Diejenigen, welche danach geboren werden, hätten zweifellos Glück gehabt, aber alle, die vorher lebten, wären unrettbar verloren.


Wissenschaft

10Nov07

Wissenschaft

Nun wollen wir untersuchen, ob die Wissenschaft uns das liefern kann, was wir brauchen. Wissenschaft bedeutet: Geordnete Sammlung von Wissen, entstanden durch empirische Mittel wie Beobachtung und Experiment.3
Die Wichtigkeit dieses Wissens und der Methoden, die zu seiner Beschaffung benutzt werden, dürfen wir nicht unterschätzen. Ihr Wert und ihr Nutzen sind enorm. Aber seine Grenzen zu ignorieren und ihm ein Betätigungsfeld zuzuweisen, das ihm nicht zukommt, hieße dem wahren Gebiet der Wissenschaft Gewalt anzutun. Das wäre nicht der Weg zum Wissen, sondern ein Produkt der Unkenntnis.
Wer einen auch noch so geringen Einblick in das Wesen des menschlichen Wissens besitzt, wird nicht zögern, einzugestehen, daß die Wissenschaft kaum in der Lage sein kann, das Geheimnis um die Letzten Dinge im Leben zu entschleiern. Der Grund liegt darin, daß der Mensch nicht die Mittel besitzt,
3 Sir Arther Tomson beschreibt die Wissenschaft folgendermaßen: „Wissenschaft ist das kritisch erarbeitete Korpus empirischen Wissens, das in den zur jeweiligen Zeit einfachsten und knappsten Termini feststellt, was beobachtet und experimentell nutzbar gemacht werden kann, und das Gleichmäßigkeiten bei Veränderungen zu Formeln summiert, die wir Gesetze nennen und die von allen, die die Methoden beherrschen, auf ihre Richtigkeit geprüft werden können.“
Die Encyclopaedia Britannica sagt: „Wissenschaft kann definiert werden als geordnetes Wissen über Naturphänomene und deren Beziehungen.“ (Der Herausgeber der englischen Ausgabe.)
um sich der letztgültigen Wahrheit zu nähern. Genauso wenig kann er die Dinge, die er observiert und mit denen er experimentiert, direkt beobachten oder daraus Schlüsse ziehen, um sich über die Letzten Dinge im Leben eine Meinung zu bilden, die man zu Recht mit dem Wort Wissen benennen könnte.
Infolgedessen liegen die grundsätzlichen Probleme, deren Lösung eine unerläßliche Voraussetzung für den Aufbau der rechten Lebensweise ist, jenseits des Spielraums der Wissenschaft. Ist es daher sinnvoll, ihr die Aufgabe anzuvertrauen, moralische Werte festzulegen, Richtlinien sozialen und kulturellen Lebens aufzuzeigen und dem menschlichen Verhalten Grenzen und Einschränkungen vorzuschreiben?
Wir werden vorläufig die Frage außer acht lassen, ob eine bestimmte Person, eine Gruppe, ein bestimmtes Zeitalter genug Wissen besitzen kann, um eine solche Aufgabe zu erfüllen. Was wir untersuchen wollen, ist, unter welchen Bedingungen sie systematisch gelöst werden kann.
Zunächst ist die Kenntnis aller Naturgesetze erforderlich, unter denen der Mensch auf diesem Planeten lebt. Zweitens müssen alle Wissenschaften, die mit dem menschlichen Leben selbst in Beziehung stehen, vervollkommnet werden. Drittens ist eine Synthese aller dieser Arten von Wissen, also der
Natur- und Humanwissenschaften, durch einen Verstand vonnöten, der vollkommen, objektiv und allwissend sein muß. Ausgestattet mit diesen Kenntnissen und Informationen kann solch ein Verstand Werte, kulturelle Prinzipien und einschränkende Einflüsse vorschlagen, indem er dieses Wissen korrekt ordnet und daraus die richtigen Schlüsse zieht. Diese Bedingungen wurden bis jetzt noch nicht erfüllt, und es besteht keine Hoffnung, daß das in den nächsten 5000 Jahren geschehen wird. Falls das doch geschehen sollte, zum Beispiel wenn die Menschheit die Grenzen des Jüngsten Tages erreicht hat, was hätten dann die anderen davon?