Warum eine geographische Einteilung sinnlos ist
So wie es absurd ist, das Leben in getrennte Gebiete einteilen zu wollen, ist es mindestens genauso sinnlos, eine Trennung in geographische Bruchstücke oder rassische Kategorien vorzunehmen. Menschen gibt es überall auf der Erdoberfläche, und sie werden getrennt von Flüssen, Bergen,
Wäldern, Meeren und politischen Grenzen. Es existieren verschiedene ethnische Gruppen und Nationen, die wegen historischer, psychologischer und anderer Gründe einige, charakteristische Züge entwickelten. Wenn nun jemand aufgrund dieser Unterschiede die Behauptung verficht, daß jede ethnische Gruppe, jede Sippe, jede geographische Region eine eigene Lebensweise benötigt, dann ist das ausgesprochen lächerlich. Wer so etwas vorbringt, hat sich von den offensichtlichen Unterschieden in Gestalt und Aussehen täuschen lassen und die wesentliche Einheit aller Menschen nicht erkannt, die den augenscheinlichen Unterschieden zugrunde liegt. Wenn man die Unterschiede für so wichtig hält, daß sie verschiedene Lebensweisen notwendig machen, dann versichere ich Ihnen, daß das so unendlich weitergehen wird. Die Unterschiede, die heute zwischen verschiedenen Ländern und Völkern bestehen, können, auch wenn wir sie noch so übertreiben, nicht so deutlich und fest umrissen sein wie die, welche die Wissenschaft zwischen einem Mann und einer Frau oder zwischen verschiedenen Personen, sogar zwischen Kindern derselben Eltern festgestellt hat. Es dürfte nicht übertrieben sein, festzustellen, daß gemäß wissenschaftlicher Analyse und Klassifizierung diese letzteren Unterschiede weit tiefergehend sind als die zuvor erwähnten. Warum also nicht darauf bestehen, daß es für jedes Individuum gesonderte Verhaltensnormen und Lebensplanungen geben sollte?
Es ist doch schlicht und einfach so: Wenn wir in der Lage sind, trotz aller Unterschiede zwischen Individuen, Geschlechtern, Familien, Sippen usw. einheitliche Elemente zu entdecken, auf deren Grundlage wir verschiedene Nationalitäten, ethnische Gruppen und geographische Einheiten vorfinden und merken, daß für diese Gruppen jeweils ein bestimmter Lebensweg oder Lebensplan brauchbar und angemessen ist – warum können wir dann nicht einheitliche Elemente aller dieser ethnischer Gruppen und Nationalitäten entdecken, um so eine noch größere Einheit zu erhalten – die gemeinsame Grundlage von Einigkeit und Zusammengehörigkeit, die die gesamte Menschheit umfassen und es ihr so ermöglichen würde, sich ein System, einen Lebensweg, einen Din für alle Menschen anzueignen?
Stimmt es denn nicht, daß trotz aller geographischen, ethnischen Unterschiede die Naturgesetze, die das Leben bestimmen, für alle Menschen dieselben sind? Sind nicht ein und dieselben biologischen Prinzipien in den Organismen verschiedener Menschen am Werk? Dasselbe gilt für die Besonderheiten, die den Menschen als eine bestimmte Spezies gegenüber dem Rest der Schöpfung auszeichnen.
Und wie steht es mit den natürlichen Bedürfnissen und Trieben des Menschen, den Kräften und Fähigkeiten, deren Gesamtheit wir das menschliche „Ich“
nennen? Und was ist mit all jenen physischen, psychologischen, historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren, die das menschliche Leben mitbestimmen? Sind diese Faktoren und Charakterzüge nicht grundsätzlich gleich für alle Menschen?
Wenn es wahr ist, daß in all diesen Dingen Gemeinsamkeiten für alle Menschen liegen, muß es folglich möglich sein, die Gesetze und Prinzipien, die das menschliche Wohlergehen gewährleisten, allgemein anzuwenden. Weshalb soll denn ihre Wirksamkeit auf bestimmte Nationalitäten oder ethnische Gruppen oder Länder beschränkt sein, anstatt auch für den Rest der Menschheit zu gelten? Selbstverständlich wäre es nur natürlich, daß die verschiedenen Nationen und Völker ihr Leben in vieler Hinsicht nach ihren jeweils eigenen Gewohnheiten und Erfordernissen gestalten, doch nur innerhalb der Grenzen, die der breite Rahmen dieser Prinzipien vorgibt. Der wahre Din aber oder der Weg und die Lebensweise, für die der Mensch in seiner Eigenschaft als Mensch eintreten sollte und die seine Bedürfnisse befriedigen, sollten in allen Fällen universelle Gültigkeit haben.
Es ist nicht einzusehen, daß das, was für eine Nation gut und richtig ist, für eine andere schlecht und falsch sein sollte, und umgekehrt. Jeder sollte gleich behandelt werden.
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