Die göttliche Leitung – ihre Merkmale und der Bew

Bevor ich fortfahre, halte ich es für notwendig, eine Frage zu untersuchen und zu analysieren, die an diesem Punkt der Diskussion zwingend bei jedem auftaucht, und die sich im Verlauf der Untersuchung auch mir stellte. Das Problem ist: Sollen wir dem Wort eines jeden vertrauen, der uns ein System mit der Behauptung präsentiert, es stamme von Gott? Und wenn nicht, anhand welcher Regel sollen wir zwischen einem System aus menschlicher Fabrikation und einem göttlichen Ursprungs unterscheiden?
Diese Frage verlangt detailliertes Studium und Analyse, doch ich werde hier nur vier in die Augen springende Kennzeichen nennen, die das göttliche Denken vom menschlichen unterscheiden.
Der erste auffällige Wesenszug menschlichen Denkens ist, daß es feste Grenzen hat und ohne wahres Wissen ist. Das göttliche Wissen hingegen ist offensichtlich die Verkörperung des wahren Wissens, dessen Horizont unbegrenzt ist. In dem, was von Gott kommt, wird man niemals, zu keiner Zeit, irgendetwas entdecken, was einer wissenschaftlich bewiesenen Tatsache widerspricht oder gegen das sich mit Recht einwenden ließe, ein bestimmter
aspekt der Wirklichkeit sei der Voraussicht seines Urhebers entgangen.
Legen wir aber diesen Wertungsmaßstab an, dürfen wir nicht den gewaltigen Unterschied übersehen, der zwischen einer Tatsache, einer Hypothese und einer bloßen Theorie besteht. Die wissenschaftlichen Hypothesen und Theorien, die die Phantasie eines Zeitalters gefangennehmen, werden oft irrtumlich als gültige Gesetze und Tatsachen angesehen, obwohl es ebensogut möglich ist, daß sie falsch sind. In der Geschichte der Wissenschaft können wir nur sehr wenige Hypothesen und Theorien hervorheben, die sich in der Tat als wissenschaftliche Gesetze und Tatsachen, als wahres Wissen erwiesen.
Die zweite große Schwäche menschlichen Denkens ist sein begrenzter Horizont. Das göttliche Denken hingegen enthält den Beweis eines unvergleichlich weiteren Gesichtskreises. Das vom Göttlichen herrührende Denken bezeugt die ewige, allumfassende Sicht seines Urhebers, der offensichtlich die ganze Wirklichkeit und das gesamte Universum in sein Wissen einschließt. Im Vergleich dazu erscheinen die Reflexionen selbst der größten Philosophen und Denker kindisch.
Das dritte Merkmal menschlicher Denkweise ist, daß ihre Urteilsfähigkeit manchmal in dieser oder jener Weise von ihren eigenen Gefühlen, Wün schen und Begehren getrübt und überschattet wird. Im göttlichen Denken dagegen tritt reine Wahrheit und unparteiische Vernunft so unzweifelhaft hervor, daß man den Gesetzen, die dort ihren Ausgang nehmen, eventuelle gefühlsmäßige Neigungen wahrscheinlich ansehen würde.
Eine weitere Schwäche menschlicher Vernunft sind die sehr auffälligen Elemente von Parteilichkeit und Voreingenommenheit, irrationaler Diskriminierung mancher Menschen und die darauf gegründete ungerechtfertigte Bevorzugung einer Gruppe oder Schicht gegenüber einer anderen. Denn jedes Individuum hat eigene persönliche Interessen mit manchen seiner Mitmenschen gemeinsam, mit anderen dagegen nicht. Im klaren Unterschied dazu ist die Lebensweise, die von einer göttlichen Quelle herrührt, frei von solchen Schattenseiten.
So kommen wir also zu einem Prüfverfahren, mit dem wir sehr leicht die Ansprüche verschiedener Lehren daraufhin testen können, ob sie von Menschen gemacht wurden oder von Gott. Ist eine Lehre frei von all diesen Schwächen, und trägt sie zugleich den Stempel der Allgemeingültigkeit, umfassender Anwendbarkeit und Vollständigkeit, wie ich auf den vorhergehenden Seiten im Zusammenhang mit der absoluten Notwendigkeit von ad-Din ausgeführt habe, so gibt es keinen Grund, noch zu zögern, sie sich zu eigen zu machen.



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