Die Bedeutung von Din und Islam

10Nov07

Die Bedeutung von Din und Islam

Beginnen wir unsere Untersuchung, indem wir zunächst versuchen, die Bedeutung der Begriffe „ad-Din” und „al-Islam” zu verstehen.
Das Wort „Din” kann im Arabischen verschiedene Bedeutungen haben. Es bedeutet
1. Macht, Oberherrschaft, Kontrolle
2. Gehorsam, Hingabe
3. Entschädigung, Sühne
4. Lebensführung, Handlungsweise, Weltanschauung
Und der Koranvers, der uns interessiert, gebraucht das Wort in der vierten Bedeutung. Das heißt, „Din” beinhaltet die Lebensweise, die geistige und intellektuelle Haltung, das Verhalten und handeln, welcher ein Individuum oder eine Gesellschaft folgen oder nachgehen. Aber wir müssen beachten, daß der Koran „ad-Din” sagt und nicht einfach „Din”. Daraus ergibt sich ein großer Unterschied in der Bedeutung, ganz ähnlich dem zwischen Sätzen wie „Das ist der Weg” und „Das ist ein Weg”.
Der Koran sagt nicht einfach, daß der Islam in Gottes Augen eine mögliche Lebensweise sei, sondern, daß der Islam die einzig wahre Lebensweise ist, die richtige Einstellung im Denken und Benehmen, die richtige Weltanschauung im Leben.
Außerdem sollte man sich vor Augen halten, daß das Wort ad-Din im Sinne des Koran in keiner eingeschränkten Bedeutung gebraucht wird. Es ist nicht auf einen bestimmten Aspekt oder eine besondere Phase im Leben beschränkt, sondern umfaßt das ganze menschliche Leben in all seiner Fülle.
Es bezieht sich nicht nur auf das persönliche Leben eines Individuums; vielmehr erstreckt es sich auch auf dessen Existenz als Teil einer Gemeinschaft, auf die gesamte Skala der Gesellschaft als Ganzes. Dementsprechend ist diese Bezeichnung nicht auf die Lebensart einer bestimmten Nation oder eines Landes beschränkt, ebenso wenig auf eine in einer bestimmten geschichtlichen Epoche vorherrschende Nation, sondern sie enthält die Lebensweise für die gesamte Menschheit, sowohl im individuellen als auch im kollektiven Bereich, zu allen Zeiten.
Der Koran erhebt nicht den Anspruch, daß der Islam das einzig wahre Kompendium aller Riten und Rituale sowie metaphysischer Lehren und Konzepte sei, oder daß er für den Einzelnen die korrekte Form religiöser Geisteshaltung und Tätigkeit darstelle (in dem Sinn, wie das Wort „Religion” heutzutage in der westlichen Terminologie verstanden wird). Auch sagt er nicht, der Islam sei der richtige Leitfaden für das Leben der Völker Arabiens, oder für das Volk irgendeines bestimmten Landes, oder für ein Volk, das für ein bestimmtes
Zeitalter (etwa der industriellen Revolution) von Bedeutung ist. Nein! Um es ganz deutlich zu sagen:
Für die gesamte Menschheit gibt es nur eine Lebensweise, die vor Gott richtig ist, und das ist al-Islam2
Betrachten wir jetzt das Wort „Islam”.
Im Arabischen bedeutet „Islam” „sich hingeben”, „sich ergeben”, „Gebundenheit akzeptieren”, „sich jemandem anbefehlen”. Jedoch sagt der Koran in dem angeführten Vers nicht nur „Islam”, sondern „al-Islam”. Auch das ist ein Spezialausdruck des Koran. Er besagt: sich vor Gott beugen, sich Ihm hingeben und Ihm gehorchen, auf seine eigene Unabhängigkeit verzichten und sich vollständig Ihm ergeben.
Diese Einwilligung, dieser Gehorsam, diese Hingabe, dieser Verzicht schließen keine Ergebenheit in das Naturgesetz mit ein, wie manche Leute fälschlich verstanden haben. Ebensowenig verlangen sie,
2 Der Autor hat zu seiner Überraschung erfahren, daß dieser koranische Begriff in der heutigen Türkei von einem neuzeitlichen Kommentator auf neue und ungewöhnliche Weise interpretiert wurde. Nach dieser Ansicht soll „Din” Kultur, Staatsführung usw. ausschließen, da sein Inhalt auf den Bereich der persönlichen Beziehung des Individuums zu Gott begrenzt sei. Es ist in der Tat sehr überraschend, daß jemand so eine Bedeutung aus dem Koran herauslesen konnte. Zumindest bietet mir mein achtzehnjähriges Studium des Koran keinerlei Grundlage für eine so abwegige Interpretation. Dieser Versuch der Modernisten, den Koran gemäß ihrem Wunschdenken zu deuten, ist in keiner Weise haltbar. Das koranische Konzept von ad-Din ist zu klar, um irgendeine Fehlinterpretation zuzulassen. Der Koran gebraucht das Wort in keinem eingeschränkten Sinn, sondern kennzeichnet damit die Denk- und Lebensweise aller Menschen zu allen Zeiten.
daß der Mensch einem Prinzip gehorchen solle, das die Menschen aufgrund ihrer Phantasie oder Beobachtung als Wille und Gefallen Gottes deklariert haben, wie einige andere irrtümlich behaupten. Sie bedeuten vielmehr, daß der Mensch an den Lehren und an der Leitung festhalten soll, zu denen Gott ihn durch seine Gesandten geführt hat, anstatt sich durch seine eigenen Launen und Wünsche davon abhalten zu lassen. Mit anderen Worten: Die geistige Haltung und das Verhalten des Menschen müssen sich von dem leiten lassen, was Gott und seine Gesandten gesagt haben, und nicht von dem, was dieser oder jener gern von ihnen hören würde. Diese Einstellung der Hingabe und Ergebung ist das, was der Koran als al-Islam definiert. Nun ist das aber keine neue Religion, die vor 1400 Jahren von Seiten Muhammads (s) begründet worden wäre. Die Wahrheit ist, daß dem Menschen in dem Moment, als er zum erstenmal auf diesem Planeten in Erscheinung trat, zu verstehen gegeben wurde, daß al-Islam der einzig wahre Weg und die richtige Lebensweise für ihn ist. Und wer auch immer in den verschiedenen Teilen der Welt zu verschiedenen Zeiten bestimmt wurde, die Menschen recht zu leiten, hatte daher immer dieselbe Bürde, dieselbe Botschaft zu tragen: die Botschaft, zu der schließlich Muhammad (s) die gesamte Menschheit einlud. Es ist offensichtlich, daß die Anhänger der Gesandten Gottes deren Lehren entstellten. Zum Beispiel improvisierten die so genannten Gefolgsleute des
Propheten Moses im Lauf der Zeit ein System, indem sie diverse fremde Elemente unter der Bezeichnung Judentum verbanden. Und diejenigen, die Jesus Christus folgten, entwickelten unter dem Namen des Christentums andere Arten des Denkens und unterschiedliche Praktiken. Genauso richteten die Anhänger anderer Propheten in verschiedenen Teilen der Welt die göttliche Führung zugrunde und entstellten sie bis zur Unkenntlichkeit. Doch die Tatsache bleibt bestehen, daß die Lebensweise, zu der Moses und Christus und alle anderen bekannten und unbekannten Propheten (s) die Menschheit einluden, nichts anderes war als der Islam. Im Sinn dieser Überlegungen möchte ich Ihnen vorschlagen, den oben zitierten Anspruch, den der Koran aufstellt, in klaren und unmissverständlichen Worten folgendermaßen zu umschreiben: Der einzige wahre Weg für die Menschheit in diesem Leben besteht darin, sich Gott hinzugeben und im Denken und Handeln dem zu folgen, was Er uns durch Seine Gesandten gelehrt hat. Genau das meint der Koran. Ich möchte nun diese Behauptung untersuchen und feststellen, ob man sie akzeptieren kann. Selbstverständlich werde ich dabei die Argumente in Betracht ziehen, die der Koran selbst anführt, um seine Aussage zu stützen. Doch ich glaube, es lohnt sich, zunächst zu versuchen, das Problem rational anzugehen, um zu sehen, ob es eine Alternative zu dem gibt, was der Koran uns vorschlägt.



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